Freitag, 30. Dezember 2011

It's like a jungle somtimes


Auf unserer Haut glänzt die metallisch bitter riechende Moskitolotion, die uns wenig erfolgreich vor eben diesen zu schützen versucht. Die Wirkung ist in Frage gestellt, da unsere Knöchel trotz der allabendlichen Anwendung aufgrund zahlreicher Stiche aufgekratzt und doppelt so dick sind, wodurch die Konzentration aufs Wesentliche durch regelmäßige Juckattacken unterbrochen wird.
Nun ja, das Wesentliche – der letzte Eintrag ist einige Zeit her und es ist viel geschehen. Mittlerweile sitzen wir auf der Couch unserer asiatischen Gastgeberin Im in Bangkok und wehren uns verbittert gegen die allgegenwärtigen Moskitos, wobei wir gefühlt gestern noch in Agra ankamen.

[Beim Lesen müsst ihr natürlich berücksichtigen, dass einige Teil vor Weihnachten und unserem Aufenthalt in Bangkok geschrieben wurden!!]


Schimmel an der Decke

In Indien können einen Weißen 3 grundlegende Probleme ganz besonders blöd treffen. Erstens macht man aufgrund der mangelnden Hygiene schnell Bekanntschaft mit der Aussage: "Ich hab Magen und Darm". In vielen Städten Indiens kommen 27 Menschen auf eine öffentliche Toilette und so fügt sie schnell ein zweites Problem an - wo ist jene nächste? Im Großstadtdschungel Indiens ist Suchen zwecklos und so stellt sich die Frage: „Wie weit bin ich von meinem Hotel entfernt?“ Drittens: Dein Hotel ist 10 Minuten Rikshafahrt und 52 Treppenstufen von dir entfernt.
Eigentlich wollten wir Varanasi nach 4 Tagen wieder verlassen, um so mehr Zeit in Agra und Dehli verbringen zu können. Übermut und die Selbstbestätigung für einen low-budget-Reisenden mit weniger als 3 € für 3 mal Essen am Tag auszukommen, brachte uns immer wieder ans gute Straßenessen. Die Folgen sind bekannt: 3 weitere Tage in Varanasi; 48 Stunden auf einer 30 Jahre alten indischen Matte, sowie die Erkenntnis wie viel Schimmel wirklich an der Zimmerdecke hängt. 
Unsere Reiseapotheke gibt einiges her und so machten wir uns nach leichter Besserung auf nach Agra.
7 Stunden später - wir sind in Agra - was gibt es hier? Das übliche Bild einer indischen Stadt auf dem Höhepunkt ihrer Populationsexplosion - zu wenig Platz für zu viele Menschen, die einen riesen Berg Müll machen. Prunkstück dieser Stadt und einziger Reiz für alle Touristen ist der Taj Mahal.
20 Stunden nach unserer Ankunft verlassen wir Agra unter etwas Zeitdruck in Richtung Delhi, jedoch ohne das Gefühl etwas verpasst zu haben. Unser Fazit: Der Taj Mahal passt so wenig zu Indien, wie Synchronschwimmen zu Olympia! Ein für indische Verhältnisse riesiges Gebäude, welches am Ende eines von Springbrunnen und gut gepflegten Pflanzen gesäumten Sandsteinweges liegt. Eine Menge Wachpersonal sorgt dafür, dass niemand seinen Müll wegschmeisst , denn neben den üblichen Touristen aus aller Welt findet man auch jede Menge Inder hier. Das ist allerdings auch kein Wunder, denn wie unser Reiseführer uns informiert, zahlen Inder 10 Rupien, wohingegen Ausländer 750 Rupien hinblättern dürfen – unverschämt? fragt man sich dann kurz und guckt sich das komplett symmetrische Gebäude nochmal an. So symmetrisch das sowohl links als auch rechts vom Taj Mahal zwei identisch aussehende Moscheen stehen. Dabei wird nur die eine als jene genutzt, und die andere, naja Synchronschwimmen eben. Obendrein ist der Taj Mahal auch noch ein muslimisches Gebäude und passt somit auch nicht zum mehrheitlichen Glauben der Inder, dem Hinduismus. Einzige Verbindung zu dem Land das vor den Pforten dieses Prachtbaus liegt sind die Inder, die beim Betreten des Taj Mahals für das einminütige Aufpassen auf deine Schuhe 30 Rupien verlangen. Alles in allem also keine wirklich passendes Wahrzeichen für das Land, das uns so manch einen Schock verpasst hat und das wir dennoch lieben gelernt haben.
In Delhi angekommen, brachte uns eine Rikscha ins Touristenviertel Delhis - dem Bazar. Dieser bietet genau zwischen Alt- und Neu-Delhi die perfekte Lage, um die Stadt zu Fuß zu erkunden und so machten wir uns auf in die Circle Neu-Delhis. Diese sind ein Abfolge gleichmäßig größer werdender Kreisverkehre, in deren Mitte sich jeweils Levi´s an Adidas und ihrer gleichen reiht. Somit bekommt man in diesem Teil Delhis hauptsächlich Touristen und goldbehangene Inder zu Gesicht, gewinnt aber beim Betrachten der langen weißen Säulenfassaden das erste Mal in Indien den Eindruck eines gelungenen Versuchs an die westlich modernen Metropolen anzuknüpfen. Die dazu passende neue U-Bahn brachte uns dann auf einer der 2 verfügbaren Linien zurück zum touristischen Bazar, der einen passenden Übergang zum folgenden Alt-Delhi bildet.
Dieser Teil Delhis steht mit dem typischen Bild einer indischen Großstadt, wie wir sie kennengelernt haben im Gegensatz zum neuen Teil. Erneut sind es enge Gassen, kleine Shops und viel zu viele Menschen, die ihr Bestes tun, sich im Weg zu stehen. Hier bekommt man alles - egal ob Obst oder Schwermetall, Tabak oder Tee, Ratte oder Rind. Wie es abschließend kommen musste, erfasste uns aber besonders eine Sache nochmal, bevor wir Delhi verlassen konnten. Ein leichtes Knurren und ein unwohles Gefühl. Da waren sie wieder, unsere 3 Probleme.


Weihnachtszeit in Thailand

Indien liegt jetzt auch schon einige Zeit hinter uns und bald ist Weihnachten. Unser erstes Weihnachten, an dem es eher feucht-warm anstatt matschig und kalt ist. Unser erstes Weihnachten, an dem wir uns nicht in das hysterische Konsumgetümmel hineinstürzen müssen und unter unserer Winterjacke schweißgebadet von Geschäft zu Geschäft rennen und die Euros durch die Luft schmeißen, um auf den letzten Drücker noch die letzten Weihnachtsgeschenke zu besorgen. Dagegen ziehen wir dieses Jahr das relaxte Inselleben dem Konsumwahn vor.
Es ist allerdings auch unsere erste Weihnacht ohne den belohnenden Glühwein und anschließendes Grog-Gelage. Das ist aber auch eine der wenigen Dinge, an die wir vereinzelt in Verbindung mit dem heiligen Fest denken. Es ist allgemein die unweihnachtlichste Vorweihnachtszeit, die wir bisher erlebt haben, denn hier in Thailand wird man verschont mit jeder Art des übertriebenen Weihnachtskitsches, während in Singapur schon vor einem Monat völlig übertriebener Maßen Weihnachtslieder in den mit Tannenzweigen geschmückten Malls ertönten.
In Thailand bezieht sich dieser Kitsch eher auf die Königsverehrung. Denn in unbestimmter Regelmäßigkeit sieht man ein Bild von einem uniformierten Herren mit strengem, ja fast begutachtendem Blick, das nicht selten mit einem Altar zur Untermauerung der Verehrung verbunden ist. Doch bis auf den Geburtstag des Königs, der als Feiertag, an dem nicht gefeiert und nicht gearbeitet werden darf, zelebriert wird, scheint das nicht allzu viel Einfluss auf den Alltag der Thais zu nehmen.
Gewiss wird diese Weihnacht eine ganz besondere, ganz andere für uns werden, völlig frei von den üblichen, immer wiederkehrenden, festgefahrenen Traditionen, an die wir in Deutschland gewohnt waren.

Singapur – der westlichste Punkt Südostasiens

Die weihnachtlich geschmückten Malls in Singapur wirken nicht wirklich wie die Vorbereitung auf ein religiöses Fest – nicht, dass sie das in Deutschland täten – vielmehr bekommt man hier den Eindruck des Exportschlagers „Weihnachten“, der von den diversen europäischen Unternehmern nach Südostasien exportiert wurde, um ein Stück Heimat in die Tropenwelt zu bringen. Dies erkannt dient es natürlich nunmehr vor allem der Ankurbelung des Konsums oder der Reinvestition der Weihnachtsboni, wie es die Banker Singapurs wahrscheinlich formulieren würden.
 Jedoch war der Weihnachtsschmuck in Singapur eher eine nebensächliche Auffassung. Wir waren vielmehr damit beschäftigt, zu verarbeiten, wo wir da gelandet waren. Denn über die Webseite „CouchSurfing“ nahmen wir Kontakt zu Alex, einer deutschen Studentin, die in Singapur bei Siemens ihr Auslandspraktikum macht, auf. Was man dann erwartet, ist eigentlich erstmal eine spärliche Studentenbude und da wir wussten, dass sie sich eine Wohnung teilt, eine Studenten-WG. Als wir uns dann aber zum vereinbarten Treffpunkt begaben, dämmerte es uns. Wir liefen mitten durch den Hochhaus-Business-Distrikt von Singapur. Die Kinnlade senkte sich allmählich und als wir Alex trafen und in das Gebäude, wo die Wohnung war, kamen, senkte sie sich weiter, bis wir in dem Apartment angekommen waren, aus dem Fenster schauten und sie (die Kinnlade) alle 11 Stockwerke hinunterfiel. Wir standen in einem Apartment mit einem Blick auf den Marina Bay in Singapur, inklusive einer riesigen Pool- und Barbecueanlage, einem Fitnessraum und einem Spielzimmer mit Billiardtisch. Danke „CouchSurfing“, danke Alex!
Nicht nur dass wir in diesem Apartment landeten, das man als vergleichbares Hotelzimmer wahrscheinlich nicht bezahlen könnte, wir wurden darüber hinaus auch direkt herzlich in die Gemeinschaft aus deutschen Studenten und Auslandspraktikanten, die sich alle irgendwie und irgendwo in Singapur getroffen hatten oder sich noch aus Deutschland kannten, aufgenommen und mit eingeplant. So gab es schon am Ankunftsabend ein Barbecue mit allen. Barbecue klingt jetzt so nach Bratwurst und eingeschweißten Supermarkt-Rippchen. Was wir aber nach 6 fast vegetarischen Wochen Indien mit höchstens Mal einem knöcherigem Stück Hühnchen aufgetischt bekamen, waren Riesengarnelen, zartestes Putenfleisch und nicht zuletzt ein göttliches argentinisches Rib-Eye-Steak, was im Mund buchstäblich schmolz (Einen Dank an dieser Stelle an den Grillmeister Kevin!). Und wenn es nicht gerade ein Rib-Eye-Steak gab, ging man einfach ins nahegelegene  Hawker-Center, wo man für ein paar Sing gute asiatische Gerichte in ordentlichen Portionen bekam.
Da Arne und ich in Indien nicht nur notgedrungene Vegetarier wurden, sondern es unserer Reise bis dato auch an einer ordentlichen Party mangelnde, machten wir uns noch am ersten Abend auf zur höchsten Bar Singapurs und genossen den Blick auf die ganze Stadt samt Hafen aus gut und gerne 283 Metern Höhe. Dieses Erlebnis war allerdings noch ausbaufähig, denn am nächsten Abend planten wir alle einer „Berlin-meets-Singapore“-Party einen Besuch abzustatten, während Arne und ich die Rooftop-Bar am Abend zuvor alleine enterten.
Das Städte-Meeting wurde auf der vor Singapur künstlich aufgeschütteten Insel Sentosa ausgetragen. Was soll man noch sagen, wenn zwei Berliner DJ’s den musikalischen Part einer singapurianischen Pool-Party übernehmen? Das Resultat waren Kevin, Arne und ich, die, großzügig wie wir sind, zwei Französinnen damit glücklich machen, sie morgens um 9 Uhr in unserer Poolanlage schwimmen zu lassen.
Wir waren definitiv wieder angekommen im Westen und genossen dies in vollen Zügen. Obschon Singapur im Gesamtbild sehr steril, künstlich und viel zu reglementiert ist, was der Stadt jeglichen Charme und Flair raubt. Aber einen Vorwurf kann man ihr daraus nicht machen, denn wie soll dies auch entstehen bei dieser Vielzahl an schmierigen, mit Geld um sich Schmeißenden Investmentbankern? Vergleichbar mit Berlin? – Nicht im Ansatz. Während man Berlins Lifestyle sicher auch im Budget leben kann, muss man in Singapur schon einen prallen Geldbeutel haben. Für uns stellte das kein allzu großes Problem dar, weil wir ja ohnehin die Übernachtungskosten sparten und nicht auf Dauer in der Stadt verweilen wollten. Außerdem waren wir viel zu beschäftigt damit, diesen krassen Unterschied zu Delhi und Indien insgesamt zu verarbeiten. Denn noch herber als der Kulturschock, den man hat, wenn man von Frankfurt nach Bombay fliegt, ist der Schock und in gewissen Punkten auch die Freude, wenn man von Delhi nach Singapur kommt, wo die Supermärkte wieder die gewohnte Auswahl haben. Nicht nur diese Auswahl war wiederhergestellt. Bei einem Anteil von 70 % Chinesen in Singapur, blieben unsere Blicke schon am ersten Tag an mehr Miniröcken und High-Heels hängen, als in den 6 Wochen Indien zuvor. Denn eines ist Gesetz in Singapur: Als chinesische Frau angelt man sich einen reichen Banker und kleidet sich nur noch in verboten kurzen Miniröcken und schwindelerregend hohen High-Heels. Um es mit Bobs Worten zu sagen: Chinesinnen sind HEISS!
Singapur war für uns also ein genialer Anschluss an 6 Wochen Indien, was aber zu allererst an der Gemeinschaft lag, in die wir so selbstverständlich aufgenommen wurden. Sonst wäre uns die sterile Reserviertheit der Stadt sicher mehr aufgefallen und hätte uns bestimmt auch mehr genervt. So aber konnten wir im Bus nach Kuala Lumpur auf erlebnisreiche vier Tage in dieser trotz alledem einzigartigen Stadt zurückblicken.








Der „kleine Bruder“ Singapurs

Auch in Kuala Lumpur hatten wir uns vorab via „Couchsurfing“ um eine Bleibe bemüht und eine Zusage von Manuél, einem Spanier, der in Deutschland studiert hat, bekommen. Selbst wenn man eigentlich keine Ansprüche stellen sollte, was wir auch nicht taten, rätselten wir insgeheim schon, ob das nächste Apartment wohl mit dem aus Singapur mithalten könne. Spätestens als wir aus dem Taxi ausstiegen war die Antwort ganz klar: „Ja, Mann!“ Wir fanden uns erneut vor einem Hochhaus inmitten des Nobelviertels „Mont Kiara“ wieder. Dieser Eindruckt trog natürlich nicht – es kam fast noch besser. Denn als der aufgeschlossene Spanier, der für eine deutsche Reifenfirma in Kuala Lumpur arbeitet, uns die Tür öffnete, traten wir in seine mit Hightech gespickte Wohnung, die genug Platz für ein Gästezimmer mit -bad bot, was er ganz uns überließ.
Auch in Kuala Lumpur schien unser Partyhunger noch nicht gestillt. Der erste Abend verlief sehr ruhig, nach unserem Dinner mit Manuél. Am zweiten Abend starteten wir dann aber richtig durch. Nachdem wir uns ausführliche Tipps von unserem Host hatten geben lassen, entschieden wir uns dafür in die Straße in K.L. zu fahren, wo sich eine kleine Bar-Kolonie angesiedelt hatte. Den Auftakt machte der gute alte irische Pub, den man anscheinend überall auf der Welt findet. Dort nahm der Abend dann Fahrt auf. Wir lernten zwei Jungs kennen, der eine Saudi und der andere Ägypter. Sie studierten in K.L. und waren in der Szene bekannt, denn wir fanden uns prompt in einem „High-Class-Club“ wieder, für den wir, dank unserer Bekanntschaft, nicht einmal Eintritt zahlen mussten. Aus irgendeinem nicht nachvollziehbaren Grund, dachten Arne und ich, dass es zum guten Ton gehöre sich in dem Laden eine Flasche zu kaufen. Auf so eine Idee sind wir in Deutschland seit unserer ungestümen Jugend nicht mehr gekommen. Jedenfalls schaute uns plötzlich ein traditionell gekleideter Engländer mit Spazierstock, der auf der Flasche Beefeater als Markenzeichen fungiert, so tief in die Augen, dass wir ihn natürlich nicht enttäuschen konnten. Das war der Startschuss für ein paar ziemlich verrückte Ereignisse, denn gute 2 Stunden später  war die Flasche leer und wir… Naja, der Rest ist Geschichte!
Dieser glorreiche Abend verschaffte uns dann einen längeren Aufenthalt in K.L., denn der gute Herr Beefeater schmiss unsere Pläne ziemlich durcheinander. Dank Manuéls unkomplizierten Offenheit, war es aber kein Problem unsere Abreise beliebig hinauszuzögern.
Die Zeit nutzten wir, um noch etwas von der Stadt zu sehen. Zuvor widmeten wir uns bereits den Haupttouristenattraktionen: den Petronas-Towers und den Batu Caves. Nachdem die Zwillingstürme für Besucher vorrübergehend gesperrt waren, besuchten wir die Batu Caves, ein Höhlennetz, in dessen Haupthöhle ein wenig indische Kultur zu finden ist. In dieser besagten Haupthöhle fühlten wir uns zurückversetzt nach Indien. Auf einmal wurden wir wieder erdrückt ob dieses unnötigen und übermäßigen Hindukitsches. Abgesehen vom indischen Kitsch, zeichnet sich dieser Ort durch mangelnde Recyclingmaßnahmen, überdurchschnittlich viele indische Schnauzbartträger und wahnsinnig viele Affen aus, die den Touris ihre mitgebrachten Lunchpakete klauten.
Als wir den „Must-See“-Teil hinter uns hatten, richteten wir unsere ungeteilte Aufmerksamkeit auf Stadt und Menschen. Nun sei gesagt, dass Malaysia ein muslimisches Land ist und dafür sind die meisten Menschen sehr offen, äußerst freundlich und ohne Vorurteile.
Die Stadt Kuala Lumpur versucht, da waren wir uns ziemlich einig, zu sehr an den „großen Bruder“ Singapur anzuknüpfen und mit ihm mitzuhalten, was aber nicht wirklich mehr als ein verzweifelter Versuch ist, eine weltoffene Metropole mit international finanzpolitischer Relevanz zu werden. Würde man aber davon ablassen, Singapur verzweifelt und ohne realistische Chance auf Anpassung, nachzueifern, hätte die Stadt wahrscheinlich um einige Längen mehr Charme und wäre einzigartiger. 





Finnland und Malaysia

Als wir es dann geschafft hatten uns aus den verführerischen Fängen Kuala Lumpurs zu lösen, beschlossen Arne und ich, die Reise auf den Inseln fortzusetzen – beginnend mit der vor der Westküste Malaysias gelegenen Insel Langkawi. Wie das bei uns so läuft, fuhren wir ganz unbedarft und ohne große unterkunftsmäßige Pläne, nur mit unserem „Lonely Planet“ bewaffnet los, denn diese Taktik hatte sich bewährt. Also hatten wir nur eine grobe Richtung, nicht aber einen genauen Plan, wo wir nächtigen sollten.
Schon auf der Fähre von Kuala Perlis nach Langkawi trafen wir zwei Finninnen, die in Bangkok studierten, wegen der Flut zum Reisen gezwungen waren und scheinbar dieselbe Taktik bei der Unterkunftssuche anwendeten. Die beiden hatten aber schon ein Guest House rausgesucht, was sie sich zuerst anschauen wollten. Kurzerhand beschlossen wir uns ihnen anzuschließen und fuhren zu viert zu „Daddy’s Guest House“, wo wir uns letzten Endes einen „Dorm Room“ teilten, was heißt jeder zahlt sein Bett, unabhängig davon, wie viele Leute noch in dem Dorm schlafen. Zum Glück hatte unser Dorm auch nur vier Betten und so hatten wir das Zimmer für uns alleine.
Wir begannen das Inselleben mit einem entspannenden Nachmittag am Strand, an dem wir darüber philosophierten, wie es wohl sein würde, wenn man abends zu einer der in Reichweite liegenden Inseln schwimmen würde, um dort seine eigene Party zu starten.
Diesen Gedanken hatten wohl schon so einige vor uns, denn an einem der nächsten Abende fand eine „Island Party“ auf einer nahegelegenen Insel statt, wo das Partyvolk den Strand für sich alleine hatte. Zum Glück war ein Boottransfer im Eintrittspreis inklusive, sodass wir uns das Schwimmen sparen konnten.
Da selbst die faulsten Menschen nicht jeden Tag den ganzen Tag am selben Strand liegen können, mieteten wir uns einen Roller, mit dem wir die Insel erkundeten. Da es auf Langkawi nun auch wieder nicht so viel zu sehen gibt und die Insel auch nicht die größte ist, waren wir in zwei Tagen damit durch, was uns aber einige schöne und verlassene Strände und einen Wasserfall bescherte.
Infolgedessen war die Insel erkundet und erobert, was uns zu dem Schluss brachte, die Segel zu setzen und weiter in Richtung Norden zur thailändischen Insel Koh Tao zu ziehen.





NIGHT DIVE, NIGHT DIVE!

Da es nach Koh Tao, das an der anderen Küstenseite liegt, keine Direktverbindung über Land und Wasser gibt, da die Amphibienfahrzeuge dafür wahrscheinlich zu teuer wären, hatten wir das Vergnügen Aufenthalt in zwei Städten zu haben. Bei unserem ersten Aufenthalt in Hatyai war es unser erstes Bedürfnis unseren Hunger zu bändigen, nachdem wir früh am Morgen aus Langkawi losgefahren waren. Neben dem Reisebüro, das für unseren Anschluss zuständig war, lag glücklicherweise ein kleines, authentisches Thai-Restaurant, indem man als Basis eine Portion Reisnudeln bekam, um sich dann eine Suppe dazu auszusuchen. Wir waren kurz davor das Curry mit den Hühnerfüßen zu probieren, stellten dann aber doch fest, dass wir zu großen Hunger hatten, um ein solch hohes Risiko einer Enttäuschung einzugehen. Wir begnügten und schließlich mit normalem Curry. Auf den Tischen, das war beeindruckend, stand ein halbes Gewächshaus aus Kräutern und verschiedenen Gemüsen, um dem Gericht das perfekte Feintuning zu verpassen.
An der zweiten Haltestelle in Suratthani, wo wir dann nur noch auf die Übernachtfähre nach Koh Tao warten mussten, hatten wir am meisten Zeit totzuschlagen. Zum Glück war die örtliche kulinarische Szene, bestehend aus hunderten kleiner Stände, die von gebratenem Reis über Fisch, Obst, Gemüse und Wurst am Spieß so ziemlich alles essbare verkauften, direkt am Pier ansässig, sodass wir es uns direkt vor unserem Boot gemütlich machen konnten, uns das ein oder andere Chang genehmigten und kartenspielend die Zeit verbrachten.
Koh Tao selbst es bekannt für seine sehr ausgeprägte Tauchszene und seine über 60 ortsansässigen Tauchschulen. Wir wussten dieses Mal ausnahmsweise schon vorher, wo wir übernachten wollten, nämlich in dem Dive Resort, in dem wir dann auch unsere Tauchkurse belegen sollten.
Während Arne durch seine Vorkenntnisse aus dem jährlichen Familienurlaub direkt den weiterführenden Tauchkurs belegen konnte, musste ich mit einem Anfängerkurs beginnen. Die erste Euphorie, ausgelöst durch die Angebote von Kursen bis hin zum Tauchlehrer und unserem Tatendrang, wurde, zumindest bei mir, jäh gebremst, als ich dann wirklich die ersten Male unter Wasser war. Es war zunächst überhaupt nicht so toll wie ich es mir vorgestellt hatte. Zudem hatte ich Probleme mit dem Wellengang auf dem Tauchboot und der Atmung unter Wasser – im Prinzip Altweiberprobleme, die aber dazu führten, dass ich mich zunächst unter Wasser nicht wirklich wohl fühlte. Je mehr Tauchgänge ich aber machte, desto mehr verschwanden auch die Probleme und die Unannehmlichkeiten und man bekommt mehr und mehr ein wenig Routine bei der Sache und kann sich besser auf das Wesentliche konzentrieren: die atemberaubende Unterwasserwelt, samt ihrer vegetativen und aquatischen Vielfalt.
Ganz im Gegensatz zu Langkawi bewegten wir uns in Koh Tao so gut wie gar nicht aus dem Resort weg, da wir derart mit dem Tauchen und dem Unterwassertourismus beschäftigt waren, dass wir gar kein Bedürfnis mehr verspürten mehr von der Insel zu sehen, was natürlich auch dadurch bedingt war, dass sich direkt unter unserem Balkon, also fünf Meter Luftlinie, die „Bar Next Door“ befand, in der sich abends immer alle trafen und gemeinsam den „Night Dive“ begannen.
Nach sechs Tagen und zehn Tauchgängen war dann Schluss mit lustig, zumal der Spaß auch nicht günstig ist, wenn auch in Thailand wohl noch am günstigsten. Unser Zeitplan war eng gestrickt, denn am 10. Dezember hatten wir eine Vollmondparty zu feiern – auf Koh Pha-Ngan, einzig und allein bekannt durch die legendären Vollmondpartys. 





Vollmond in Thailand

Aber auf dem zwei Stunden per Fähre von Koh Tao entfernten Koh Pha-Ngan, wartete nicht nur eine Vollmondparty auf uns. Wir waren ebenfalls mit Alfie, dem brasilianisch britischen Stewart von British Airways und Henning, auch ein Reisender aus Osnabrück verabredet. Das freudige Wiedersehen feierten wir auf dem örtlichen Food Market, auf dem man sagenhaft günstig thailändisches Essen serviert bekommt, während drum herum verzweifelt möchtegern-italienische Restaurants versuchen ihre (für thailändische Verhältnisse) überteuerte Pizza an dem Mann zu bringen.
Nach einem mäßigen und einem vielversprechenden Aufwärmabend war die glorreiche Nacht gekommen – der Vollmond. Wir hatten sogar eine Taktik: der Plan war die Sache ruhig anzugehen, damit wir nicht schon um zwei Uhr völlig fertig hätten ins Bungalow torkeln müssen. Also machten wir es uns zunächst auf der Terrasse unseres schäbigen Holzbungalows mit einer Flasche besten Thai-Whiskeys bequem, der dem Ausdruck „Spirituose“ erschreckend nahe kam, um dann, als wir genug Kräfte gesammelt hatten, gegen drei Uhr morgens zu starten.
Als wir am Partystrand ankamen, war die Meute in vollem Gange und von weitem vernahm man nur ein wildes Gemisch bunt durcheinander ertönender elektronischer Musik, wobei hiermit ein Spektrum aus Psytrance, Techno, Mainstream-House, Electro und Tech House gemeint ist, was alles auf einmal anstrengend, jedes für sich aber durchaus gut zum Feiern ist. Der besagte Strand besteht also aus mehreren nebeneinander liegenden Strandbars, wobei jede eine eigene Party schmeißt und einen eigenen Musikstil spielt. So kann man ein bestimmtes Profil der Leute auf einer bestimmten Party erstellen. Wenn einem ein abgemagerter Typ mit völlig glasigem Blick und langen verfilzten Haaren entgegen kommt, kann man mit 90-prozentiger Sicherheit sagen, dass der gerade aus der Ecke mit der Psytrance Musik kommt. Vorzugsweise kleidet sich der Stereotyp eines Vollmondpartybesuchers aber in schrillen Neonfarben, was dem Leuchteffekt bei Schwarzlichtbestrahlung geschuldet ist. Abgerundet wird das Outfit mit verrückten, kaum erkennbaren Bodypaintings und komischen Kleiderkombinationen. Wenn man keine Lust auf beißende Farben hat, muss man nicht zu Hause bleiben, es gibt auch noch die Möglichkeit sich günstig ein Thai-Damenoutfit zuzulegen für diesen einen Abend und sich als Freak mit femininem Touch zu verkleiden. Das Problem bei dieser Variante ist die hohe Verwechslungsgefahr mit den lauernden thailändischen Ladyboys, die, erschreckender Maßen, tatsächlich nicht immer auf den ersten oder zweiten Blick zu erkennen sind.
Obacht ist also das Gebot der Stunde. Das gilt auch für die Fortbewegung, denn wenn Psytrance nicht unbedingt deine Überzeugung oder Religionsersatz ist, geht einem diese Musikrichtung ziemlich schnell auf den Geist. Folglich muss der Standort gewechselt werden – eigentlich kein Problem: zehn Meter weiter, nächster Laden. Am Anfang ist das tatsächlich noch kein Thema. Je mehr man sich allerdings dem Sonnenaufgang nähert, desto enger wird der Strand, da die Party bei Ebbe beginnt und bei Flut aufhört und desto höher wir der Spiegel an leeren Flaschen, leeren Buckets, benutzten oder unbenutzten Strohhalmen und verlorenen Flip Flops. Wenn man es aber schafft auf diese simplen Dinge Obacht zu geben, erlebt man einen atemberaubenden Sonnenaufgang, der die Party mit Licht, die Gesichter mit Sonnenbrillen und das Gemüt mit Endorphinen flutet.
Wie gesagt, die Flut löst die Party nach und nach auf und die für alle diejenigen, die noch nicht genug haben, wie wir natürlich, heißt es dann: Auf in die Berge, zur Afterhour in den „Backyard Club“, der aus einer Terrasse besteht, wo entspannter Tech House gespielt wird, mit einem großartigen Blick auf das sonnenbelichtete Meer. Das Ganze versteckt und von der Sonne geschützt auf einem bewaldeten Berg – der Wahnsinn! Man wird von seiner guten Laune und von den sanften Schallwellen guter Musik förmlich in den Tag hinein getragen. Nachdem Arne schon etwas früher den Rückweg angetreten hatte, trug es mich letztlich nach einer überwältigenden Nacht gegen 3 Uhr nachmittags in Richtung unserer Bleibe. Eine gelungene Party.

#









Nach der Partywoche auf Koh Pha-Ngan stand für uns ein erneuter Küstenwechsel nach Koh Lanta an, den wir mit einem Umweg zurück nach Koh Tao, wegen des dort vergessenen Zeltes dann doch recht schnell und unkompliziert meisterten.
Angetrieben durch unser Wiedersehen mit den Leuten aus dem Dive Resort auf Koh Tao, in dem wir unser Zelt noch abholen mussten, beschlossen wir auf Koh Lanta wieder ins Wasser zu gehen, zumal mein Tauchlehrer uns erzählte, dass die Spots an der Westküste noch eine Liga über denen vor Koh Tao spielten. Im Nachhinein können wir nur sagen, dass dem auch so ist. Leider bekamen wir weder Manta-Rochen, noch Walhai zu Gesicht, aber dafür eine nochmals größere Artenvielfalt an Unterwasserlebewesen. Dazu war der Spot an sich durch seine bergige Beschaffenheit und seine besseren Sichtverhältnisse auch interessanter. 


Morgen ist Silvester und dann geht’s  hier in Bangkok so richtig zur Sache. Wir freuen uns und ihr auch, das wissen wir!

Bis dahin. Neues und alles über Weihnachten bis Silvester gibt’s im neuen Jahr. Rutscht gut rein!

Gesegnete Grüße aus Thailand!


peace&love.arne&paulus.  

1 Kommentar:

  1. Hallo nach Thailnad! Endlich... Wie mir durchaus bekannt ist, habe nicht nur ich auf Fortsetzung Eures Berichts/Fotos gewartet! Und, mein lieber Paulus, Deine Schreibe ist wunderbar. Es macht Spass, das blog zu lesen. Wie ist iÜ die Adresse des Appartments in Singapur :-) Und wo sind die Fotos der badenden Französinnen???? Bitte demnächst vollständig dokumentieren!!!!
    Euch alles Gute, feiert schön in Neue Jahr und weiterhin save travel! Stay tuned Gisbert

    AntwortenLöschen