Lang ist’s schon wieder her. Mittlerweile sitzen wir schon in unserem Hostel in Sydney und planen unseren morgen beginnenden Trip durch Australien.
Anyway, wo waren wir stehen geblieben?
4000 Islands
Die „4000 Islands“ liegen im Süden von Laos direkt an der Grenze zu Kambodscha und stellen eine Art Delta des Mekong dar, wobei dieser danach aber nicht ins Meer mündet, sondern wieder zusammengeführt wird und weiterfließt. Dabei entstehen die sogenannten „4000 Islands“, die sich aus vielen kleinen abgetrennten Landstücken und einigen größeren, begehbaren Inseln zusammensetzen. Eine der größeren Inseln ist „Dondet“, auf der wir uns nach der Ankunft ein Bungalow mieteten und in unseren Hängematten den Blick auf den Mekong genossen.
Schnell stellte sich heraus, dass das auch so ziemlich das einzige ist, was man auf dieser Insel machen kann. Um die faulen Glieder dann aber doch einmal zu bewegen, liehen wir uns viel zu kleine, klapprige Fahrräder und fuhren die 5 km zur nächsten Insel mitten durch die von Kühen okkupierten trockenen Reisfelder, um auf der durch eine Brücke verbundenen Insel einen spektakulären Wasserfall zu besuchen. Unmut löste dabei nur der faule Laotiner aus, der allen Ernstes einen Zoll für die Brücke verlangte.
Dieser Unmut legte sich dann aber auf der Aussichtsplattform der Insel wieder, von der aus man Meilenweit über die breiteste Stelle des Mekongs blicken kann. An dieser Stelle soll es auch Flussdelfine geben, die uns leider verborgen blieben, was aufgrund des phänomenalen Lichtspiels der untergehenden Sonne nicht weiter schlimm war.
Als wir dann nach einem vollen Tag auch schon alles gesehen hatten, beschlossen wir die Weiterreise über die Grenze nach Siem Reap, das durch die benachbarten Tempel von Angkor Berühmtheit erlangte.
Angkor What?
Nach einer weiteren unwahrscheinlich langen Busreise inklusive 2 Stunden Wartezeit an der Grenze von Laos und Kambodscha, erreichten wir nach einem Tag im Bus Siem Reap. Nach einem halben Tag Entspannung am Pool unseres Hotels mit unseren indisch-englischen Zimmerpartnerinnen, ließen wir uns von unserem Tuk-Tuk-Fahrer zu Kambodschas Stolz, dem Angkor Wat, bringen, um in der größten Tempelanlage der Welt den Sonnenuntergang zu genießen.
Angkor bildete vom 9. Bis zum 15. Jahrhundert das Zentrum Kambodschas, bis es unter anderem wegen der handelsstrategisch ungünstigen Lage an Bedeutung verlor. Aus dieser Zeit sind noch zahlreiche Tempelanlagen und Teile der Stadt erhalten, die heute wiederaufgebaut und begehbar sind. Die zum Teil im Wald versteckten Tempel mit ihren durch Witterung abgenutzten dunkelgrau bis schwarzen Steinen, transportieren perfekt den Eindruck der ehemaligen Hochkultur des Khmer-Reiches.
Siem Reap ist deshalb auch kein Geheimtipp mehr, sondern längst ein „Must-See“ auf der Südostasien-Liste, was die zahlreichen Luxushotels erklärt, die sich auf dem Weg nach Angkor aneinanderreihen. Denn wer nach Sonnenuntergang noch immer nicht genug Tempel gesehen hat, der geht in der „Tempel-Villa“ in das „Tempel-Spa“ und in die „Tempel-Sauna“, um danach in der „Tempel-Bar“ den Abend ausklingen zu lassen.
Eine gewisse Selbstironie lässt sich nicht nur in der allgegenwärtigen Stilisierung des Wortes „Tempel“ finden, sondern auch in dem oft benutzten Ausruf „Angkor What?“ („Angkor was?), nach dem sogar eine Bar benannt ist. Dieser Wortwitz ist auf die Bezeichnung „Angkor Wat“ zurückzuführen, wobei „Angkor“ der Ort ist und „Wat“ einfach eine gängige Bezeichnung für „Tempel“.
Man könnte in Siem Reap problemlos eine Woche verbringen, um alle Tempel und alten Gemäuer zu sehen. Wir jedoch beschränkten uns auf die größten und bekanntesten – Angkor Wat und Angkor Thom. Denn schon nach eineinhalb Tagen hatten wir das Gefühl, nur noch tote Steine in unterschiedlicher Anordnung zu sehen.
Unsere Hektik weiterzureisen, hing aber auch mit dem knappen Zeitplan zusammen, den wir einhalten mussten. Denn nachdem wir lange Zeit in Thailand verbracht hatten, mussten wir allmählich auf die Uhr schauen, um pünktlich zum 14. Februar in Hanoi unseren Flieger abzupassen.
Deshalb: keine Zeit verlieren – weiter geht es nach Phnom Penh, das Angkor als Hauptstadt Kambodschas ablöste.
Phnom Penh – die Stadt, die immer schläft
In Phnom Penh gibt es genau drei Sehenswürdigkeiten: Das „Independence Memorial“, was auf einer Verkehrsinsel steht, die für Passanten nicht zugänglich ist. Das „Wat Phnom“, was gegenüber dem „Independence Memorial“ am anderen Ende des Norodom Boulevard liegt und, unserer Meinung nach, nicht der Kategorie „sehenswürdig“ zugeordnet werden kann. Eher in dieses Metier gehört der Palast des Königs, der direkt am Fluss liegt und das prunkvolle Herz bildet und Stolz der Stadt zu sein scheint.
Wenn man diese drei Punkte dann in einem Fußmarsch von einem halben Tag durch die Stadt abgehakt hat, empfindet man es als viel interessanter, sich einfach seinen Weg durch die in amerikanischer Manier durchnummerierten Straßen, zu bahnen. Hier entdeckt man die lokalen Märkte, eingewickelt in Fischgeruch, bei dem man manchmal nicht zuordnen kann, ob der jetzt schlecht oder gut riecht. Für Klarheit sorgt dann meist das Auge, das toten Fisch ungekühlt in der prallen Sonne erfasst – besser nicht kaufen!
Abgesehen von schlecht riechendem Fisch, jagte uns ein Anblick für einen kurzen Moment einen Schrecken ein. In einer dieser Straßen lag ein nackter, lebloser Körper ohne Kopf und mit halbierten Gliedmaßen auf dem Tisch. Lediglich der Schwanz versicherte uns im nächsten Augenblick, dass wir hier nicht Zeugen von perversem Kannibalismus werden mussten, sondern nur ein Rind kurz vor der Durchbohrung einer Metallstange sehen, das danach über einem Grill aufgehangen werden sollte.
Ein Stück Heimat begegnete uns dann in einem Spirituosengeschäft – ein gut gekühltes Beck’s-Bier aus der Drittelliterflasche für unschlagbare 0,7 US$ (denn in Kambodscha ist neben den einheimischen „Riel“ der US$ die zweite, so gut wie überall akzeptierte Währung) – was fast günstiger ist, als in Deutschland.
Was macht man am Abend in einer Großstadt? – Richtig, man geht raus und lernt neue Leute kennen. Den ersten lernten wir direkt nach der Ankunft, noch am Busplatz, kennen und teilten uns direkt ein Zimmer mit ihm, um Geld zu sparen. Das zählt also nicht wirklich. So zogen wir abends zu dritt mit dem Schweden Kalle los, in der Hoffnung, lustige Gesellschaft zu finden. Außer einer Schottin mit einem Freund, die Kalle aber schon vorher kannte, trafen wir niemanden. Das hatte zwei Gründe: a) es war so gut wie niemand unterwegs und b), es gab keine Läden, die die Leute zusammenbrachten oder Läden, wo alle hingingen. Viel mehr verteilten sich alle entlang des Flusses in hunderte von verschiedenen Restaurants, worunter die Stimmung litt.
Nicht sonderlich beeindruckt, aber auch nicht übermäßig enttäuscht von Phnom Penh, fuhren wir zusammen mit Kalle nach Ho-Chi-Minh-City, dem ehemaligen Saigon. Alle Füchse unter den Lesern bemerken jetzt, dass auf dieser Reise eine Grenze überquert werden musste, nämlich die von Kambodscha und Vietnam. Für uns kein Problem, denn unsere Visa verweilen schon seit Reisebeginn in unseren Pässen. Kalle jedoch hatte keines und wurde deshalb auf halber Strecke vom Reiseführer zurück nach Phnom Penh geschickt, nur um dort in der vietnamesischen Botschaft zu erfahren, dass schwedische Staatsbürger für die Einreise nach Vietnam gar kein Visum benötigen.
Nach der kleinen Extra-Tour trafen wir ihn am nächsten Tag in Ho-Chi-Minh-City wieder und teilten erneut ein recht großzügiges 10-$-Apartment.
Ho-Ho-Ho-Chi-Minh
Genau wie Kambodscha hat auch Vietnam eine schreckliche Geschichte hinter sich, die auch heute noch zumindest als Schlagwort „Vietnamkrieg“ allgegenwärtig ist. Umso überraschter waren wir, als wir nach Ho-Chi-Minh-City reinfuhren – alles schien recht modern, die Straßen gesäumt von Bäumen und es gab sogar vereinzelt Supermärkte mit guter Auswahl, die endlich mal größer waren, als die typische südostasiatische 7-Eleven-Tankstellen-Shop-Größe. Auch die Bierauswahl wurde wieder größer und man bekam neben französischen – bestenfalls - Bierversuchen, den lokalen Bieren, dem standartmäßigen Heineken und dem südostasiatischem Tiger in manchem Supermärkten auch ein gutes, ehrlich deutsches Bitburger – ist das nicht schön?!
Interessanter als die Bierauswahl in Ho-Chi-Minh-City waren aber die Einflüsse der verschiedenen Besatzer bzw. Kolonialmächte, die in Vietnam zeitweise das Sagen hatten. So gibt es an jeder Straßenecke einen „Tous les jours“, eine Bäckereikette, die zwar aus Korea kommt, jedoch zumindest einen französischen Namen trägt. Gegenüber findet man dann meist einen „Coffee Bean & Tea Leaf“ in guter alter „Starbucks-Manier“.
Was allerdings noch stärker auf die Franzosen hinwies, war, dass man beim Spaziergang durch die Stadt (ähnlich wie mit dem Triumphbogen in Vientiane) plötzlich vor dem Notre-Dame stand. Mitten in Ho-Chi-Minh-City umzingelt von Shoppingmalls und von Straße und ohne jegliche Verbindung zu irgendeiner Form von Altstadt oder kolonialen Gebäuden, steht da auf einem die Kathedrale, die auch in Frankreichs Hauptstadt eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten ist.
Was außer den amerikanischen Franchiseunternehmen sonst noch auf die Vereinigten Staaten hinweist ist das Kriegsmuseum, wo vor allem im Bildformat ohne Skrupel die unmenschlichen Verbrechen der USA an der vietnamesischen Bevölkerung dargestellt werden. Beim Anblick dieser Fotos, dieser durch das Giftgas „Agent Orange“ völlig entstellten Menschen, bleibt einem nur der Gedanke, dass hier niemand überzeugen wollte, dass das, was hier veranstaltet wurde weniger etwas mit Politik, als etwas mit Völkermord zu tun hatte. Denn die Vietnamesen leiden noch heute, lange nach Kriegsende, an den Folgen der Angriffe mit chemischen Waffen durch die USA.
Dem entgegen, stehen die Tunnel des Vietcong, die zu Kriegszeiten ein unterirdisches Netz von mehr als 200 Kilometern spannten. Diese kann man heute noch etwas außerhalb von Ho-Chi-Minh-City besuchen. Hier wird einem zu allererst ein „Dokumentarfilm“ gezeigt, der mindestens 5 verschiedene Leute vorstellt, die auf unterschiedliche Art und Weise außergewöhnlich viele GI’s umgebracht hatten. Im Film werden diese Leute als Helden dargestellt, weil sie ihren Rekord in „Amis töten“ aufgestellt haben. – Das war natürlich sehr enttäuschend, da wir etwas mehr Vernunft, Sachlichkeit und historische Objektivität erwartet hatten und uns ganz nebenbei von diesem Film auch ein bisschen mehr brauchbare Informationen erhofften.
Abgesehen von dem Film, sieht man auf der Anlage noch vereinzelt Bombenkrater und Einstiege zum Tunnelsystem, wo man dann auch selbst hineinsteigen und ein paar Meter krabbeln darf. Die ganze Besichtigung ist eine hochtouristisierte Angelegenheit, was erklärt, dass man während der Tour die Möglichkeit hat, einmal mit einer richtigen M16 oder einer AK47 zu ballern. Mit Verlaub – aber das ist mit Sicherheit für die amerikanischen Besucher eingerichtet worden. Trotz des fragwürdigen Gehaltes der Informationen und der Darstellungen der Geschehnisse sind die Tunnel von Cu Chi absolut sehenswert und fast schon Pflichtprogramm. Dadurch, dass man selber die Möglichkeit hat einen kleinen Abschnitt des Tunnelsystems zu entdecken, kann man sich ein ungeschminktes Bild davon machen, auf welch kleinem Raum sich die Widerstandskämpfer der Vietcong bewegen mussten.
Es trifft sich alles wieder
Das Beeindruckende am Reisen durch einen Subkontinent wie Südostasien ist, dass sich jeder und alles irgendwie und irgendwo wiedertrifft. So reisten wir mit der Finnin Sinii durch Vietnam, die wir auf Langkawi/Malaysia kennenlernten und auf Koh Phi Phi/Thailand und in Bangkok wieder trafen. Die Treffen in Bangkok und die Reise durch Vietnam waren dabei jedoch noch geplant. Viel witziger war es, als Arne in Ho-Chi-Minh-City plötzlich Max aus Singapur über den Weg lief. Max ist einer der drei deutschen Studenten, dessen Couch wir in Singapur surften. Auch Max hatte auf seinem Vietnam-Trip einen Deutschen aus dem Schwabenländle kennengelernt und reiste seitdem mit ihm.
Das sollte ganz gut veranschaulichen wie spontan das Reisen auf Backpacker-Niveau ist. Das bringt jede Menge Abwechslung in die Sache. So waren wir am nächsten Abend statt zu dritt, zu fünft. Wir stellten uns nunmehr mit fünf Mann den haushoch in der Überzahl attackierenden Roller-Bataillonen, die stets versuchen einem das Überqueren der Straße unmöglich zu machen.
Mutprobe überstanden, versuchten wir dann angenehme Gesellschaft in einem vietnamesischen Club zu finden. Doch was uns dort begegnete, waren leider nur schlechte Luft, eine leere Tanzfläche und unfreundliches Personal. Also entschieden wir uns, unser Wiedertreffen auf der Straße zu feiern.
Als wir dann am folgenden Abend auch noch – allerdings geplanterweise – Michael und Matthias aus Osnabrück trafen und ein ordentliches vietnamesisches Straßen-Dinner mit ihnen teilten, waren unsere „Wiedertreffenstage“ perfekt.
Der Hund ohne Beine
Genug vom Großstadtrummel Ho-Chi-Minhs – ab an den Strand, Nha Trang, um genauer zu sein. Ein paar Stunden Busfahrt entfernt von der größten Stadt Vietnams, erstreckt sich der von Palmen gesäumte Strand Nha Trangs. Ein perfekter Ort, um zwei Tage die Bräune bzw. den Sonnenbrand aufzufrischen.
Leider zeigt sich auch an diesem Strand ein berühmtes Phänomen – je mehr Touristen die Stadt anzieht, desto mehr hässliche Hotelgebäude siedeln sich direkt am Strand an – Welcome to Mallorca! Genauso nervig, wie die Hochhäuser am Strand ist, dass sich der Ort scheinbar in eine kleine russiche Kolonie verwandelt hat, da so gut wie jedes Lokal seine Schilder auch auf Russisch hat und man überall diese so kantig, aggressiv klingende Sprache hört.
Sonst war Nha Trang allerdings ein perfekter Ort, um zwei Tage in der Sonne zu liegen – viel mehr kann man hier auch nicht wirklich machen.
Eine außergewöhnliche Kuriosität brachte Nha Trang uns aber: uns begegneten in Nha Trang sowohl Hunde ohne Ohren, ohne Schwanz als auch mit nur drei Beinen. Ein armer, kleiner Kleffer war dermaßen vom Schicksal heimgesucht worden, dass er nur noch seine vorderen beiden Gliedmaßen besaß.
Endlich wieder eine schöne, kleine Altstadt
Als wir nach zwei Tagen am Strand nicht mehr von Krebsen zu unterscheiden waren, buchten wir ein Bus-Ticket nach Hoi An, was eine Übernachtfahrt in Richtung Norden von Nha Trang entfernt liegt. Während dieser Busfahrt bekamen wir eine Demonstration vietnamesischer Unfreundlichkeit seitens der Reisegesellschaft. Dass wir für grobe Vergehen, wie barfuß aus dem Bus aussteigen, nicht verprügelt wurden, war schon fast ein Wunder. Als wir uns es dann auch noch anmaßten, zwischendurch nach dem Wohl unseren Taschen zu sehen, brannte die Luft und wir schlossen an diesem Abend sicher keine deutsch-vietnamesischen Freundschaften mehr – zumindest nicht mit dem Buspersonal.
Einen wesentlich positiveren Eindruck hatten wir dann aber von Hoi An, das wir am frühen Morgen erreichten. Herz der Stadt ist die am Fluss gelegene Altstadt. Nach langer Zeit fanden wir endlich eine schöne kleine Altstadt mit kleinen Gässchen und altvietnamesischen Fachwerkhäuschen mit japanischem Touch. Leider ist man auch hier voll und ganz auf den Tourismus eingestellt und man findet wenige traditionell vietnamesische Läden. Stattdessen reiht sich heute in den kleinen Häusern ein Klamottenladen an den anderen und versucht Touris mit maßgeschneiderter Kleidung zu Spottpreisen zu locken.
Traditionell und authentisch wirkt hingegen der Markt von Hoi An. In einem verworrenen Netz von Ständen und Geschäften bekommt man hier neben Blumen, Obst, Gemüse auch Fleisch und Orts-Delikatessen, wie Insekten oder auch Schnecken. Das Highlight aber ist zweifelsohne der Fischmarkt. Hier wird es mit Kühlung und Sauberkeit standesgemäß nicht so eng gesehen, stattdessen kann man zahlreichen verschiedenen Fischarten dabei zusehen, wie sie ausgenommen und verarbeitet werden. Selbiges gilt für Huhn, Schwein und Rind. Manche Leute fänden das sicherlich widerlich, wir denken, dass es zur Kultur gehört und finden es deshalb interessant.
Nach einem ausgeprägten Spaziergang durch die alten Gassen und über den Markt hat man dann auch alles, was sehenswert ist, in der kleinen Stadt Hoi An gesehen. Um keine Zeit liegen zu lassen, machten wir uns auch schon wieder auf den langen Weg in den Norden in die Hauptstadt Hanoi.
Die Vietnamesen und ihr Wachsfigurenkabinett
Als wir nach der 18-stündigen Busfahrt endlich in Hanoi angekommen waren, stürzten wir aus dem Bus heraus, direkt in das nächste Hotel hinein, das zum Glück ein Zimmer in unserem Budget hatte.
Nach kurzer Erholung machten wir uns auf den Weg und erkundeten die Umgebung in der nass-kalten Hauptstadt – das erste Mal seitdem wir auf Reisen sind, sank die Temperatur am Tag deutlich unter 20°C, was sich nach so einer langen Zeit in deutlich wärmeren Gebieten wesentlich kälter anfühlte. Mit allen langärmligen Oberteilen, drei Paar Socken, Schal und Mütze trauten wir uns vor die Tür und empfanden die Kälte, den grauen Himmel und den sporadischen Nieselregen auch mal wieder ganz angenehm – vor allem in Kombination mit dem See, der inmitten des „Old-Town“-Viertels lag, in dem wir residierten, hatten wir für einen kurzen Moment den Eindruck in Hamburg an der Alster spazieren zu gehen.
Sonst ist Hanoi aber eher das Gegenteil von Hamburg. Die Leute sitzen – ganz ungestört vom schlechten Wetter – wie gewohnt auf den Straßen auf Sitzgarnituren, wie wir sie aus dem Kindergarten kenn und stecken die Köpfe zusammen. Das versuchten wir natürlich nachzumachen und Felipa, die wir in Hanoi trafen, zeigte uns direkt den richtigen Ort dafür: den „Beer-Corner“ – eine kleine Kreuzung an deren Rändern man auf Plastikstühlen sitzt, spottbilliges, nach Reis schmeckendes Bier schlürft und den Verkehr beobachtet.
Das Highlight in Hanoi sind natürlich die im Mausoleum liegenden sterblichen Überreste von Revoluzzer und Vater der Sozialistischen Republik Vietnam – Ho-Chi-Minh. Leider hat man, soweit man das in den 20 Sekunden, in denen man durch den Raum gescheucht wird, sehen kann, eher das Gefühl es hier mit einer ausrangierten Wachsfigur aus dem „Madame Tussaud’s“ zu tun zu haben. Ungläubig zückt man einen Geldschein, denn Ho ist auf jedem Geldschein der vietnamesischen Währung „Dong“ porträtiert, doch man erkennt leider keine Ähnlichkeit außer dem signifikanten Ziegenbart, der ihn so sympathisch aussehen lässt. Ob das alles jetzt ein Fake und großer Humbug ist oder ob da tatsächlich der echte Körper Ho-Chi-Minhs liegt, wissen wahrscheinlich nicht einmal die Soldaten, die während der Öffnungszeiten nichts anderes machen, als stumm und unbeweglich neben Onkel Hos Sarg Wache zu halten. Im Grunde ist es auch unwichtig, ob nun Wachsfigur oder nicht, denn es geht hier um den Mythos des kleinen Mannes mit dem Ziegenbart. Außerdem stellt sich die Frage nach der Echtheit bestimmt auch in Moskau oder Peking.
Nach einigen interessanten und vor allem kalten Tagen in Hanoi nahmen wir Abschied von unserer Vietnam-Begleiterin Sinii und unserer Hanoi-Expertin Felipa. Doch vor allem verabschiedeten wir uns von Südostasien, das wir als großartigen Subkontinent in all seiner Vielfalt und all seinen Unterschieden erlebt haben. Es ist ein einzigartiger Platz – ideal für Backpacking und Rundreisen, denn jeder kann das finden, was er braucht – ob Luxusurlaub, Party, Low-Budget-Reisen oder das Entdecken anderer Kulturen – Südostasien bietet alles. Das klingt fast schon reif für den Reisekatalog, doch wichtig ist beim Backpacking (auch anderswo) so viel wie möglich selbst zu organisieren, anstatt Pauschalreisen zu buchen, denn nur so hat man eine Chance wirklich ein Stück in die jeweilige Kultur einzutauchen.
In diesem Sinne.
peace&love.paulus&arne.
PS.: die restlichen Fotos reichen wir nach!
Anyway, wo waren wir stehen geblieben?
4000 Islands
Die „4000 Islands“ liegen im Süden von Laos direkt an der Grenze zu Kambodscha und stellen eine Art Delta des Mekong dar, wobei dieser danach aber nicht ins Meer mündet, sondern wieder zusammengeführt wird und weiterfließt. Dabei entstehen die sogenannten „4000 Islands“, die sich aus vielen kleinen abgetrennten Landstücken und einigen größeren, begehbaren Inseln zusammensetzen. Eine der größeren Inseln ist „Dondet“, auf der wir uns nach der Ankunft ein Bungalow mieteten und in unseren Hängematten den Blick auf den Mekong genossen.
Schnell stellte sich heraus, dass das auch so ziemlich das einzige ist, was man auf dieser Insel machen kann. Um die faulen Glieder dann aber doch einmal zu bewegen, liehen wir uns viel zu kleine, klapprige Fahrräder und fuhren die 5 km zur nächsten Insel mitten durch die von Kühen okkupierten trockenen Reisfelder, um auf der durch eine Brücke verbundenen Insel einen spektakulären Wasserfall zu besuchen. Unmut löste dabei nur der faule Laotiner aus, der allen Ernstes einen Zoll für die Brücke verlangte.
Dieser Unmut legte sich dann aber auf der Aussichtsplattform der Insel wieder, von der aus man Meilenweit über die breiteste Stelle des Mekongs blicken kann. An dieser Stelle soll es auch Flussdelfine geben, die uns leider verborgen blieben, was aufgrund des phänomenalen Lichtspiels der untergehenden Sonne nicht weiter schlimm war.
Als wir dann nach einem vollen Tag auch schon alles gesehen hatten, beschlossen wir die Weiterreise über die Grenze nach Siem Reap, das durch die benachbarten Tempel von Angkor Berühmtheit erlangte.
Angkor What?
Nach einer weiteren unwahrscheinlich langen Busreise inklusive 2 Stunden Wartezeit an der Grenze von Laos und Kambodscha, erreichten wir nach einem Tag im Bus Siem Reap. Nach einem halben Tag Entspannung am Pool unseres Hotels mit unseren indisch-englischen Zimmerpartnerinnen, ließen wir uns von unserem Tuk-Tuk-Fahrer zu Kambodschas Stolz, dem Angkor Wat, bringen, um in der größten Tempelanlage der Welt den Sonnenuntergang zu genießen.
Angkor bildete vom 9. Bis zum 15. Jahrhundert das Zentrum Kambodschas, bis es unter anderem wegen der handelsstrategisch ungünstigen Lage an Bedeutung verlor. Aus dieser Zeit sind noch zahlreiche Tempelanlagen und Teile der Stadt erhalten, die heute wiederaufgebaut und begehbar sind. Die zum Teil im Wald versteckten Tempel mit ihren durch Witterung abgenutzten dunkelgrau bis schwarzen Steinen, transportieren perfekt den Eindruck der ehemaligen Hochkultur des Khmer-Reiches.
Siem Reap ist deshalb auch kein Geheimtipp mehr, sondern längst ein „Must-See“ auf der Südostasien-Liste, was die zahlreichen Luxushotels erklärt, die sich auf dem Weg nach Angkor aneinanderreihen. Denn wer nach Sonnenuntergang noch immer nicht genug Tempel gesehen hat, der geht in der „Tempel-Villa“ in das „Tempel-Spa“ und in die „Tempel-Sauna“, um danach in der „Tempel-Bar“ den Abend ausklingen zu lassen.
Eine gewisse Selbstironie lässt sich nicht nur in der allgegenwärtigen Stilisierung des Wortes „Tempel“ finden, sondern auch in dem oft benutzten Ausruf „Angkor What?“ („Angkor was?), nach dem sogar eine Bar benannt ist. Dieser Wortwitz ist auf die Bezeichnung „Angkor Wat“ zurückzuführen, wobei „Angkor“ der Ort ist und „Wat“ einfach eine gängige Bezeichnung für „Tempel“.
Man könnte in Siem Reap problemlos eine Woche verbringen, um alle Tempel und alten Gemäuer zu sehen. Wir jedoch beschränkten uns auf die größten und bekanntesten – Angkor Wat und Angkor Thom. Denn schon nach eineinhalb Tagen hatten wir das Gefühl, nur noch tote Steine in unterschiedlicher Anordnung zu sehen.
Unsere Hektik weiterzureisen, hing aber auch mit dem knappen Zeitplan zusammen, den wir einhalten mussten. Denn nachdem wir lange Zeit in Thailand verbracht hatten, mussten wir allmählich auf die Uhr schauen, um pünktlich zum 14. Februar in Hanoi unseren Flieger abzupassen.
Deshalb: keine Zeit verlieren – weiter geht es nach Phnom Penh, das Angkor als Hauptstadt Kambodschas ablöste.
Phnom Penh – die Stadt, die immer schläft
In Phnom Penh gibt es genau drei Sehenswürdigkeiten: Das „Independence Memorial“, was auf einer Verkehrsinsel steht, die für Passanten nicht zugänglich ist. Das „Wat Phnom“, was gegenüber dem „Independence Memorial“ am anderen Ende des Norodom Boulevard liegt und, unserer Meinung nach, nicht der Kategorie „sehenswürdig“ zugeordnet werden kann. Eher in dieses Metier gehört der Palast des Königs, der direkt am Fluss liegt und das prunkvolle Herz bildet und Stolz der Stadt zu sein scheint.
Wenn man diese drei Punkte dann in einem Fußmarsch von einem halben Tag durch die Stadt abgehakt hat, empfindet man es als viel interessanter, sich einfach seinen Weg durch die in amerikanischer Manier durchnummerierten Straßen, zu bahnen. Hier entdeckt man die lokalen Märkte, eingewickelt in Fischgeruch, bei dem man manchmal nicht zuordnen kann, ob der jetzt schlecht oder gut riecht. Für Klarheit sorgt dann meist das Auge, das toten Fisch ungekühlt in der prallen Sonne erfasst – besser nicht kaufen!
Abgesehen von schlecht riechendem Fisch, jagte uns ein Anblick für einen kurzen Moment einen Schrecken ein. In einer dieser Straßen lag ein nackter, lebloser Körper ohne Kopf und mit halbierten Gliedmaßen auf dem Tisch. Lediglich der Schwanz versicherte uns im nächsten Augenblick, dass wir hier nicht Zeugen von perversem Kannibalismus werden mussten, sondern nur ein Rind kurz vor der Durchbohrung einer Metallstange sehen, das danach über einem Grill aufgehangen werden sollte.
Ein Stück Heimat begegnete uns dann in einem Spirituosengeschäft – ein gut gekühltes Beck’s-Bier aus der Drittelliterflasche für unschlagbare 0,7 US$ (denn in Kambodscha ist neben den einheimischen „Riel“ der US$ die zweite, so gut wie überall akzeptierte Währung) – was fast günstiger ist, als in Deutschland.
Was macht man am Abend in einer Großstadt? – Richtig, man geht raus und lernt neue Leute kennen. Den ersten lernten wir direkt nach der Ankunft, noch am Busplatz, kennen und teilten uns direkt ein Zimmer mit ihm, um Geld zu sparen. Das zählt also nicht wirklich. So zogen wir abends zu dritt mit dem Schweden Kalle los, in der Hoffnung, lustige Gesellschaft zu finden. Außer einer Schottin mit einem Freund, die Kalle aber schon vorher kannte, trafen wir niemanden. Das hatte zwei Gründe: a) es war so gut wie niemand unterwegs und b), es gab keine Läden, die die Leute zusammenbrachten oder Läden, wo alle hingingen. Viel mehr verteilten sich alle entlang des Flusses in hunderte von verschiedenen Restaurants, worunter die Stimmung litt.
Nicht sonderlich beeindruckt, aber auch nicht übermäßig enttäuscht von Phnom Penh, fuhren wir zusammen mit Kalle nach Ho-Chi-Minh-City, dem ehemaligen Saigon. Alle Füchse unter den Lesern bemerken jetzt, dass auf dieser Reise eine Grenze überquert werden musste, nämlich die von Kambodscha und Vietnam. Für uns kein Problem, denn unsere Visa verweilen schon seit Reisebeginn in unseren Pässen. Kalle jedoch hatte keines und wurde deshalb auf halber Strecke vom Reiseführer zurück nach Phnom Penh geschickt, nur um dort in der vietnamesischen Botschaft zu erfahren, dass schwedische Staatsbürger für die Einreise nach Vietnam gar kein Visum benötigen.
Nach der kleinen Extra-Tour trafen wir ihn am nächsten Tag in Ho-Chi-Minh-City wieder und teilten erneut ein recht großzügiges 10-$-Apartment.
Ho-Ho-Ho-Chi-Minh
Genau wie Kambodscha hat auch Vietnam eine schreckliche Geschichte hinter sich, die auch heute noch zumindest als Schlagwort „Vietnamkrieg“ allgegenwärtig ist. Umso überraschter waren wir, als wir nach Ho-Chi-Minh-City reinfuhren – alles schien recht modern, die Straßen gesäumt von Bäumen und es gab sogar vereinzelt Supermärkte mit guter Auswahl, die endlich mal größer waren, als die typische südostasiatische 7-Eleven-Tankstellen-Shop-Größe. Auch die Bierauswahl wurde wieder größer und man bekam neben französischen – bestenfalls - Bierversuchen, den lokalen Bieren, dem standartmäßigen Heineken und dem südostasiatischem Tiger in manchem Supermärkten auch ein gutes, ehrlich deutsches Bitburger – ist das nicht schön?!
Interessanter als die Bierauswahl in Ho-Chi-Minh-City waren aber die Einflüsse der verschiedenen Besatzer bzw. Kolonialmächte, die in Vietnam zeitweise das Sagen hatten. So gibt es an jeder Straßenecke einen „Tous les jours“, eine Bäckereikette, die zwar aus Korea kommt, jedoch zumindest einen französischen Namen trägt. Gegenüber findet man dann meist einen „Coffee Bean & Tea Leaf“ in guter alter „Starbucks-Manier“.
Was allerdings noch stärker auf die Franzosen hinwies, war, dass man beim Spaziergang durch die Stadt (ähnlich wie mit dem Triumphbogen in Vientiane) plötzlich vor dem Notre-Dame stand. Mitten in Ho-Chi-Minh-City umzingelt von Shoppingmalls und von Straße und ohne jegliche Verbindung zu irgendeiner Form von Altstadt oder kolonialen Gebäuden, steht da auf einem die Kathedrale, die auch in Frankreichs Hauptstadt eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten ist.
Was außer den amerikanischen Franchiseunternehmen sonst noch auf die Vereinigten Staaten hinweist ist das Kriegsmuseum, wo vor allem im Bildformat ohne Skrupel die unmenschlichen Verbrechen der USA an der vietnamesischen Bevölkerung dargestellt werden. Beim Anblick dieser Fotos, dieser durch das Giftgas „Agent Orange“ völlig entstellten Menschen, bleibt einem nur der Gedanke, dass hier niemand überzeugen wollte, dass das, was hier veranstaltet wurde weniger etwas mit Politik, als etwas mit Völkermord zu tun hatte. Denn die Vietnamesen leiden noch heute, lange nach Kriegsende, an den Folgen der Angriffe mit chemischen Waffen durch die USA.
Dem entgegen, stehen die Tunnel des Vietcong, die zu Kriegszeiten ein unterirdisches Netz von mehr als 200 Kilometern spannten. Diese kann man heute noch etwas außerhalb von Ho-Chi-Minh-City besuchen. Hier wird einem zu allererst ein „Dokumentarfilm“ gezeigt, der mindestens 5 verschiedene Leute vorstellt, die auf unterschiedliche Art und Weise außergewöhnlich viele GI’s umgebracht hatten. Im Film werden diese Leute als Helden dargestellt, weil sie ihren Rekord in „Amis töten“ aufgestellt haben. – Das war natürlich sehr enttäuschend, da wir etwas mehr Vernunft, Sachlichkeit und historische Objektivität erwartet hatten und uns ganz nebenbei von diesem Film auch ein bisschen mehr brauchbare Informationen erhofften.
Abgesehen von dem Film, sieht man auf der Anlage noch vereinzelt Bombenkrater und Einstiege zum Tunnelsystem, wo man dann auch selbst hineinsteigen und ein paar Meter krabbeln darf. Die ganze Besichtigung ist eine hochtouristisierte Angelegenheit, was erklärt, dass man während der Tour die Möglichkeit hat, einmal mit einer richtigen M16 oder einer AK47 zu ballern. Mit Verlaub – aber das ist mit Sicherheit für die amerikanischen Besucher eingerichtet worden. Trotz des fragwürdigen Gehaltes der Informationen und der Darstellungen der Geschehnisse sind die Tunnel von Cu Chi absolut sehenswert und fast schon Pflichtprogramm. Dadurch, dass man selber die Möglichkeit hat einen kleinen Abschnitt des Tunnelsystems zu entdecken, kann man sich ein ungeschminktes Bild davon machen, auf welch kleinem Raum sich die Widerstandskämpfer der Vietcong bewegen mussten.
Es trifft sich alles wieder
Das Beeindruckende am Reisen durch einen Subkontinent wie Südostasien ist, dass sich jeder und alles irgendwie und irgendwo wiedertrifft. So reisten wir mit der Finnin Sinii durch Vietnam, die wir auf Langkawi/Malaysia kennenlernten und auf Koh Phi Phi/Thailand und in Bangkok wieder trafen. Die Treffen in Bangkok und die Reise durch Vietnam waren dabei jedoch noch geplant. Viel witziger war es, als Arne in Ho-Chi-Minh-City plötzlich Max aus Singapur über den Weg lief. Max ist einer der drei deutschen Studenten, dessen Couch wir in Singapur surften. Auch Max hatte auf seinem Vietnam-Trip einen Deutschen aus dem Schwabenländle kennengelernt und reiste seitdem mit ihm.
Das sollte ganz gut veranschaulichen wie spontan das Reisen auf Backpacker-Niveau ist. Das bringt jede Menge Abwechslung in die Sache. So waren wir am nächsten Abend statt zu dritt, zu fünft. Wir stellten uns nunmehr mit fünf Mann den haushoch in der Überzahl attackierenden Roller-Bataillonen, die stets versuchen einem das Überqueren der Straße unmöglich zu machen.
Mutprobe überstanden, versuchten wir dann angenehme Gesellschaft in einem vietnamesischen Club zu finden. Doch was uns dort begegnete, waren leider nur schlechte Luft, eine leere Tanzfläche und unfreundliches Personal. Also entschieden wir uns, unser Wiedertreffen auf der Straße zu feiern.
Als wir dann am folgenden Abend auch noch – allerdings geplanterweise – Michael und Matthias aus Osnabrück trafen und ein ordentliches vietnamesisches Straßen-Dinner mit ihnen teilten, waren unsere „Wiedertreffenstage“ perfekt.
Der Hund ohne Beine
Genug vom Großstadtrummel Ho-Chi-Minhs – ab an den Strand, Nha Trang, um genauer zu sein. Ein paar Stunden Busfahrt entfernt von der größten Stadt Vietnams, erstreckt sich der von Palmen gesäumte Strand Nha Trangs. Ein perfekter Ort, um zwei Tage die Bräune bzw. den Sonnenbrand aufzufrischen.
Leider zeigt sich auch an diesem Strand ein berühmtes Phänomen – je mehr Touristen die Stadt anzieht, desto mehr hässliche Hotelgebäude siedeln sich direkt am Strand an – Welcome to Mallorca! Genauso nervig, wie die Hochhäuser am Strand ist, dass sich der Ort scheinbar in eine kleine russiche Kolonie verwandelt hat, da so gut wie jedes Lokal seine Schilder auch auf Russisch hat und man überall diese so kantig, aggressiv klingende Sprache hört.
Sonst war Nha Trang allerdings ein perfekter Ort, um zwei Tage in der Sonne zu liegen – viel mehr kann man hier auch nicht wirklich machen.
Eine außergewöhnliche Kuriosität brachte Nha Trang uns aber: uns begegneten in Nha Trang sowohl Hunde ohne Ohren, ohne Schwanz als auch mit nur drei Beinen. Ein armer, kleiner Kleffer war dermaßen vom Schicksal heimgesucht worden, dass er nur noch seine vorderen beiden Gliedmaßen besaß.
Endlich wieder eine schöne, kleine Altstadt
Als wir nach zwei Tagen am Strand nicht mehr von Krebsen zu unterscheiden waren, buchten wir ein Bus-Ticket nach Hoi An, was eine Übernachtfahrt in Richtung Norden von Nha Trang entfernt liegt. Während dieser Busfahrt bekamen wir eine Demonstration vietnamesischer Unfreundlichkeit seitens der Reisegesellschaft. Dass wir für grobe Vergehen, wie barfuß aus dem Bus aussteigen, nicht verprügelt wurden, war schon fast ein Wunder. Als wir uns es dann auch noch anmaßten, zwischendurch nach dem Wohl unseren Taschen zu sehen, brannte die Luft und wir schlossen an diesem Abend sicher keine deutsch-vietnamesischen Freundschaften mehr – zumindest nicht mit dem Buspersonal.
Einen wesentlich positiveren Eindruck hatten wir dann aber von Hoi An, das wir am frühen Morgen erreichten. Herz der Stadt ist die am Fluss gelegene Altstadt. Nach langer Zeit fanden wir endlich eine schöne kleine Altstadt mit kleinen Gässchen und altvietnamesischen Fachwerkhäuschen mit japanischem Touch. Leider ist man auch hier voll und ganz auf den Tourismus eingestellt und man findet wenige traditionell vietnamesische Läden. Stattdessen reiht sich heute in den kleinen Häusern ein Klamottenladen an den anderen und versucht Touris mit maßgeschneiderter Kleidung zu Spottpreisen zu locken.
Traditionell und authentisch wirkt hingegen der Markt von Hoi An. In einem verworrenen Netz von Ständen und Geschäften bekommt man hier neben Blumen, Obst, Gemüse auch Fleisch und Orts-Delikatessen, wie Insekten oder auch Schnecken. Das Highlight aber ist zweifelsohne der Fischmarkt. Hier wird es mit Kühlung und Sauberkeit standesgemäß nicht so eng gesehen, stattdessen kann man zahlreichen verschiedenen Fischarten dabei zusehen, wie sie ausgenommen und verarbeitet werden. Selbiges gilt für Huhn, Schwein und Rind. Manche Leute fänden das sicherlich widerlich, wir denken, dass es zur Kultur gehört und finden es deshalb interessant.
Nach einem ausgeprägten Spaziergang durch die alten Gassen und über den Markt hat man dann auch alles, was sehenswert ist, in der kleinen Stadt Hoi An gesehen. Um keine Zeit liegen zu lassen, machten wir uns auch schon wieder auf den langen Weg in den Norden in die Hauptstadt Hanoi.
Die Vietnamesen und ihr Wachsfigurenkabinett
Als wir nach der 18-stündigen Busfahrt endlich in Hanoi angekommen waren, stürzten wir aus dem Bus heraus, direkt in das nächste Hotel hinein, das zum Glück ein Zimmer in unserem Budget hatte.
Nach kurzer Erholung machten wir uns auf den Weg und erkundeten die Umgebung in der nass-kalten Hauptstadt – das erste Mal seitdem wir auf Reisen sind, sank die Temperatur am Tag deutlich unter 20°C, was sich nach so einer langen Zeit in deutlich wärmeren Gebieten wesentlich kälter anfühlte. Mit allen langärmligen Oberteilen, drei Paar Socken, Schal und Mütze trauten wir uns vor die Tür und empfanden die Kälte, den grauen Himmel und den sporadischen Nieselregen auch mal wieder ganz angenehm – vor allem in Kombination mit dem See, der inmitten des „Old-Town“-Viertels lag, in dem wir residierten, hatten wir für einen kurzen Moment den Eindruck in Hamburg an der Alster spazieren zu gehen.
Sonst ist Hanoi aber eher das Gegenteil von Hamburg. Die Leute sitzen – ganz ungestört vom schlechten Wetter – wie gewohnt auf den Straßen auf Sitzgarnituren, wie wir sie aus dem Kindergarten kenn und stecken die Köpfe zusammen. Das versuchten wir natürlich nachzumachen und Felipa, die wir in Hanoi trafen, zeigte uns direkt den richtigen Ort dafür: den „Beer-Corner“ – eine kleine Kreuzung an deren Rändern man auf Plastikstühlen sitzt, spottbilliges, nach Reis schmeckendes Bier schlürft und den Verkehr beobachtet.
Das Highlight in Hanoi sind natürlich die im Mausoleum liegenden sterblichen Überreste von Revoluzzer und Vater der Sozialistischen Republik Vietnam – Ho-Chi-Minh. Leider hat man, soweit man das in den 20 Sekunden, in denen man durch den Raum gescheucht wird, sehen kann, eher das Gefühl es hier mit einer ausrangierten Wachsfigur aus dem „Madame Tussaud’s“ zu tun zu haben. Ungläubig zückt man einen Geldschein, denn Ho ist auf jedem Geldschein der vietnamesischen Währung „Dong“ porträtiert, doch man erkennt leider keine Ähnlichkeit außer dem signifikanten Ziegenbart, der ihn so sympathisch aussehen lässt. Ob das alles jetzt ein Fake und großer Humbug ist oder ob da tatsächlich der echte Körper Ho-Chi-Minhs liegt, wissen wahrscheinlich nicht einmal die Soldaten, die während der Öffnungszeiten nichts anderes machen, als stumm und unbeweglich neben Onkel Hos Sarg Wache zu halten. Im Grunde ist es auch unwichtig, ob nun Wachsfigur oder nicht, denn es geht hier um den Mythos des kleinen Mannes mit dem Ziegenbart. Außerdem stellt sich die Frage nach der Echtheit bestimmt auch in Moskau oder Peking.
Nach einigen interessanten und vor allem kalten Tagen in Hanoi nahmen wir Abschied von unserer Vietnam-Begleiterin Sinii und unserer Hanoi-Expertin Felipa. Doch vor allem verabschiedeten wir uns von Südostasien, das wir als großartigen Subkontinent in all seiner Vielfalt und all seinen Unterschieden erlebt haben. Es ist ein einzigartiger Platz – ideal für Backpacking und Rundreisen, denn jeder kann das finden, was er braucht – ob Luxusurlaub, Party, Low-Budget-Reisen oder das Entdecken anderer Kulturen – Südostasien bietet alles. Das klingt fast schon reif für den Reisekatalog, doch wichtig ist beim Backpacking (auch anderswo) so viel wie möglich selbst zu organisieren, anstatt Pauschalreisen zu buchen, denn nur so hat man eine Chance wirklich ein Stück in die jeweilige Kultur einzutauchen.
In diesem Sinne.
peace&love.paulus&arne.
PS.: die restlichen Fotos reichen wir nach!