Nachdem wir das völlig unterkühlte Flugzeug nach Abu Dhabi verließen und in die muslimische Welt eintauchten, fanden wir seltsame SMS auf unseren Handys, die uns wahrscheinlich ein SMS -technisches Vermögen kosteten. Der Absender war „ETISALAT“. Ich wollte schon „Nein, danke“ sagen, als ich merkte, dass wir uns nicht mehr im Flugzeug befinden. Als Arne und ich dann zweimal verblüfft die Blicke wechselten, bekamen auch wir mit, dass „ETISALAT“ der wahrscheinlich größte Telefonanbieter der Vereinigten Arabischen Emirate ist und kein arabisches Grünzeug. – Es war die Einführung in eine Stadt in der alles anders ist, in der alles ein bisschen größer ist.
Angefangen bei dem netten Personal am Immigration Counter, bei denen ich zuerst dachte, es wäre der Scheich persönlich, doch dann mitbekam, dass die Kleidung üblich ist für Männer in dieser Region. Als wir aber das erste Mal an die Luft traten, wurde jede Erwartung übertroffen, wir rannten aus dem klimatisierten Flughafengebäude mit unseren 20-Kilo-Rucksäcken buchstäblich gegen eine Wand. Und auch hier blieb uns nichts anderes übrig als ungläubig mit dem Kopf zu schütteln – es war kurz vor zehn Uhr nachts und es hatte ca. 35 °C bei einer Luftfeuchtigkeit, die wir bis dato noch nicht erlebt hatten.
Angefreundet mit den neuen klimatischen Bedingungen, denen wir hoffnungslos ausgesetzt waren, fuhren wir per Taxi zu unserem irischen Host Enda. Schon während der Taxifahrt drängte sich uns der Gedanke auf, dass Abu Dhabi eine Stadt mit sehr, sehr weiten Wegen und unheimlich günstigen Taxis ist, so zahlten wir für ca. 20 Kilometer umgerechnet ungefähr 9 €.
Als wir nach einigem Suchen Endas Apartment fanden, hatten wir unmittelbar auch schon jeder ein Glas guten irischen Ciders eingeschänkt – ein Hoch auf die Iren! Dieser erste Eindruck bestätigte während der Zeit, die wir mit Enda verbrachten, obwohl wir uns nur an den beiden Abenden kurz sahen, so hatten wir doch eine sehr kurzweilige, sehr interessante Zeit, in der wir sowohl Shisha rauchten, Cocktails mixten, als auch über alles Mögliche philosophierten. So war unser erster Couch-Surfing-Gastgeber ein wirklicher Glückstreffer.
Wenn wir nicht gerade mit Enda die Zeit verbrachten, schauten wir uns den Protz Abu Dhabis und Dubais an. So standen wir vor dem höchsten Gebäude der Welt – dem Burj Khalifa – und wunderten uns, warum wir die Einzigen auf der Straße waren, die in der glühenden Hitze schmolzen. Die Lösung fanden wir, als ein Security-Mann uns aufforderte den offiziellen Eingang in der nahegelegenen, auf 20 °C heruntergekühlten „Dubai-Mall“ aufzusuchen. Dass wir keine Menschen auf der Straße sahen, war allerdings kein Phänomen des Burj Khalifa, sondern eher der Einheimischen von Dubai und Abu Dhabi generell. Wenn man Leute auf der Straße sieht, sind es eigentlich immer nur Touristen oder Arbeiter, die auf ihren Shuttle warten. Die Einheimischen, ob nun Scheich oder nicht, bevorzugen es im Allgemeinen mit ihren Luxus-Yachten durch den Straßenverkehr zu segeln, vorbei an all den Fischerbooten von Nissan oder Toyota, denn was ein echter Scheich ist, muss mindestens einen europäischen Sportwagen besitzen. Nach einer selbst aufgestellten Studie, fährt mindestens alle 15 Sekunden ein Auto mit einem Wert von mindestens 100.000 € an dir vorbei. Und es sind alles Neuwagen. Die Sinnlosigkeit besteht darin, dass es eigentlich total unnütz solch ein Auto mit unheimlich viel PS zu fahren bei einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h und der Tatsache, dass es für die ganzen Geländewagen, wie Q7, Hummer oder X5, gar nicht genug Gelände gibt, um genau zu sein gar keines – abgesehen von Sanddünen. Aber dieses Phänomen ist bekanntermaßen nicht nur in Dubai zu beobachten.
Der Größenwahnsinn beschränkt sich natürlich nicht nur auf die Architektur und den Straßenverkehr, denn Abu Dhabi hat mit der Ferrari-World nicht nur die schnellste Achterbahn der Welt, sondern mit der gigantischen Moschee auch eine der größten der Welt. Geplant war ursprünglich – natürlich – die größte Moschee der Welt, doch als die „Saudis“ davon Wind bekamen, erhoben sie Einspruch, denn man solle doch bitte nicht den Ursprung allen Glaubens, also Mekka, versuchen zu übertrumphen. Was diese Moschee allerdings hat, ist den wahrscheinlich größten Teppich der Welt.
Abu Dhabi war in jedem Falle ein sehr gelungener Anfang, vor allem dank Endas Gastfreundschaft. Wir haben gelernt, dass wir uns, wenn wir in Deutschland zurück sind, nicht mehr zu viele Gedanken über zu hohen Stromverbrauch machen müssen, denn eines ist klar: Abu Dhabi und Dubai zusammen verbrauchen so wie so viel mehr Strom als ganz Deutschland.
Zur Zeit sind wir dabei Bombay aufzusaugen, denn die Eindrücke prasseln nur so auf uns ein. Hier ist jeder Tag ein neues Abenteuer!
Bald mehr aus und über Indien!
peace&love.paulus&arne.passt auf euch auf!
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